Auszeit

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VOID 004 – Supermarkt in der Andreastraße 

 

Der untersuchte Ort ist mitten in der Stadt und trotzdem frei: Obwohl er nah zum Hauptbahnhof und der Polizeistation liegt und es nur fünf Minuten Fußweg zur U – Bahnstation Kröpcke sind, wirkt er leer. Ein Laden mit asiatischen Lebensmitteln liegt darunter, während er von einer engen Gasse von allen Seiten umarmt wird. Die Gasse wird verschattet durch hohe und graue Gebäude von fünf bis sechs Geschossen, welche einen traurigen Eindruck hinterlassen. Die Gebäude sind Bürogebäude oder haben vereinzelt kleine Wohnungen. Durch die Enge entsteht eine düstere Atmosphäre die erst durch die Baulücke erhellt wird. Damit wird gleich ein wesentlicher Aspekt der Gasse herausgestellt: Sie ist der einzige helle Ort; die einzige Möglichkeit Sonne zu erleben.  Gegenüber dem Ort liegt ein Parkhaus mit der dazugehörigen Einfahrt. Trotz der Ergeschosszone mit Einkaufsläden mag so recht kein Leben aufkommen. Zusammen mit der transparenten Fassade des Parkhauses wird der Ort damit ein Stück weit ein Teil der auslaufenden Innenstadt. Diese auslaufenden Arme bringen Menschen in die Straße; die Umgebung wird laut und belebt, allerdings behält sie ihre Traurigkeit. Die Menschen sind zu abgelenkt von den Geschäften und die Belebtheit des Ortes geht unter in seiner Nebensächlichkeit, da er nicht Teil der Innenstadt ist. Passanten nehmen ihn kaum war und kreuzen seinen Weg oft lediglich. Die Straße ist nur ein Mittel und kein Ziel und damit geht sie unter in ihrem leeren Erscheinungsbild. Vor allem durch diesen Widerspruch erscheint der Ort ruhig und schafft seine eigene ganz besondere Atmosphäre.

Als Intervention werden sechs Kuben mit jeweils den gleichen Maßen und Ausrichtungen gewählt, welche die Baulücke vollständig einnehmen.  Die Kuben sind unterschiedlicher Farbe und erzeugen dank ihrer lichtdurchlässigen Wände Lichtspiele in der Umgebung. So verliert der Ort seine Traurigkeit, soll farben- und lebensfroher erscheinen. Die Transparenz der Fassaden soll weiterhin ermöglichen, dass Licht in die Gasse gelangt und sie erhellt wird, da die Gasse durch die Intervention nicht dunkler erscheinen darf als zuvor. Durch die erhöhte Lage der Intervention soll sie von der Ruhe des Ortes profitieren und eine Rückzugsmöglichkeit bieten. Weswegen sie, obwohl nah und trotzdem abseits der Stadt, eine Ruhezone schaffen wird. Kreuzende Personen, seien es Passanten aus der Stadt oder Reisende die am Bahnhof ankommen, haben die Möglichkeit sich zurückzuziehen und aus dem Getümmel der Stadt bzw. des Bahnhofes zu fliehen. Es wird also die Möglichkeit geschaffen, nachzudenken, zu lesen, oder vielleicht zu arbeiten. Ein Abschotten und damit gänzliches Zurückziehen der einzelnen Personen soll durch die Transparenz der Ruhezonen vermieden werden, so dass dadurch nicht der umgekehrte Effekt des anonymen Daherlebens entsteht: Die Stadt und ihre Bewohner bleiben präsent. Trotzdem des neuen Gewands soll der Ort die bestehenden Eigenschaften nicht vollständig aufgeben, so dass die besondere Atmosphäre des leicht Vergessenen bestehen bleibt. Durch die einfache Tatsache, dass die kreuzenden Personen im Wesentlichen nur die Läden und nicht die Gebäude an sich wahrnehmen, bekommt die Intervention einen entscheidenden Vorteil: Sie ist mitten in der Stadt und trotzdem nebensächlich, ruhig und zurückhaltend. Durch die verhältnismäßig kleinen Kuben von einer Größe bis maximal drei Personen und einer Bank als Tisch als maximale Ausstattung wird jede Kube zu einer privaten Zone. Dabei leben sie von den Farben, der Zurückhaltung und Anonymität der Innenstadt und schaffen einen Raum, um sich zurückzuziehen; um einfach man selbst zu sein.

 

Ideengeberin: Nina

 

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