Ideenpicknick am Lichtenbergkreisel

Machen wir uns den Kiez, wie er uns gefällt!

“Das geht natürlich nur, wenn wir alle zusammendenken. Darum laden wir herzlich zu einer Ideensammlung ein, bei der wir mit Anwohnenden und der Stadt Hannover eine Umgestaltung des Platzes rund um die Kastanie auf dem Lichtenbergplatz anstoßen wollen. Es ist dabei natürlich wünschenswert, dass der Lichtenbergkreisel weiterhin die kleine grüne Oase bleibt, die er ist und sich entsprechend der Wünsche verändert.”

In Zusammenarbeit mit Kultur des Wandels, Ökostadt und der Gesellschaft für außerordentliche Zusammenarbeit konnten wir temporär an diesem grünen Fleck den besonderen Mehrwert für die Nachbarschaft erleben und Ideen sammeln. Es könnte zum Beispiel ein kleiner urbaner Urwald entstehen, es können essbare, standortgerechte Pflanzen angebaut werden, eine kleine Bühne entstehen.. und so weiter! Wir wollen nicht zu viel vorgeben, die Menschen sind dazu eingeladen selbst zu entscheiden was für sie (und die Natur) den größten Mehrwert hat.

Am 04.10.2020 haben wir mit den Einwohnenden entdeckt welches Potenzial an diesem Ort schlummert, ob eine Veränderung gewünscht ist und wie weiterhin die eigene, wertvolle Freizeit auf ihm verbracht werden kann.

Die Auswertung

 

“Begrünung ja, Eventisierung nein”

 

Das Ideenpicknick im Oktober 2020 hat gezeigt, wie einzigartig dieser Platz als temporärer Veranstaltungsort genutzt werden kann, welche Potentiale noch in ihm schlummern und wie divers das Meinungsbild zur Nutzung des Lichtenbergkreisels ist. Die Veranstaltung diente als ein gelungener Anreiz für die Auseinandersetzung mit der Gestaltungsthematik.

Die Umsetzung eines Umgestaltungsprozesses bleibt jedoch bei den Anwohnenden. Hier gibt es viele nette Menschen und Ideen, die sich bestimmt zu einem Konsens formen lassen.

 

Auf etwa neunzig eingesammelten Karten und drei Plakaten hinterließen die Gäste des Ideenpicknicks Wünsche und Meinungen. Einerseits erreichten uns Bedenken, die sich gegen eine weitere Belebung des Platzes aussprechen und andererseits wurden konkrete Bedarfe und Wünsche dargestellt, die für eine gemeinschaftliche Umgestaltung sprechen. Ein gemeinsamer Nenner war jedoch die Begrünung und, dass der Ort als gemeinsamer Rücksichts- und Ruheort dienen solle. Im folgenden werden einige Kernpunkte der Auswertung dargestellt, die als Diskussionsgrundlage für eine Umgestaltung dienen können:

“Bitte lasst den Platz so wie er ist. Er wird sehr gut und rücksichtsvoll genutzt, ohne eine Angebotssituation”

Viele Anwohnende sind völlig zufrieden mit dem Platz. Es solle sich nichts ändern, da der Platz gepflegt und relativ ruhig ist. Der Zaun begrenzt die Nutzung als Spielplatz und Hundebesitzer suchen sich normalerweise andere Wiesen. Das Nachtleben der Limmerstraße hat sich noch nicht in diese Ecke verschlagen und so soll es auch bleiben. Die Befürchtung ist, dass eine Aufwertung mit einladendem Mobiliar und Nutzungsmöglichkeiten den Lärm und Müll anziehen würde. Außerdem wurde angemerkt, dass es in anderen Stadtteilen Orte gibt, die wesentlich mehr Belebungs- und Veränderungsbedarf haben.

“Wenn sich etwas verändern soll, dann nur die Begrünung. Es wäre toll, wenn es hier statt der Rosensträucher essbare Beeren geben würde.”

Fast alle Teilnehmenden konnten sich darauf einigen, dass sich an der Gestaltung der Begrünung auf dem Platz etwas ändern sollte. Die von städtischer Seite gepflegten Rosenbeete entsprachen nur selten den Vorstellungen einer schönen Platzgestaltung. Es kamen viele Vorschläge zur Begrünung der Fläche, zum Beispiel durch den Einsatz von Blumenwiesen für die Insekten oder weitere Bäume zur Unterstützung der Kastanie.

Außerdem wurden einige konkret mit kleinen Nachbarschaftsbeeten für Kräuter oder Gemüse. Die Verantwortung für die kleinen Gärten würden die pachtenden Familien übernehmen. Zwischen den Gartenarbeiten könnte eine begrünte Pergola und ein kleiner Teich für ein kühles Klima sorgen.

“Wir können in unserer Wohnung im obersten Stockwerk jedes Wort laut und deutlich hören. Das liegt an der Trichterform, die alle Gebäude am Kreisel zusammen formen.”

Die große Offenfläche und schlichte Gestaltung des Platzes lassen Platz für eine Vielzahl an Nutzungen. Die Vorschläge der Anwohnenden bezogen sich deshalb auf ergänzendes Mobiliar und konkrete Aktionen, um die Fläche mit Leben zu füllen. Es wurden sich beispielsweise Sitzmöglichkeiten, ein Tisch und ein Mülleimer gewünscht. Damit wäre der Wunsch nach einem Nachbarschaftspicknick oder einem gemeinsamen Frühstück erleichtert. Andere zeichneten eine Tischtennisplatte und einen Garten mit Barfußpfad auf die Karte.

Viele Kinder dachten bei der Umgestaltung an eine fantastische Spielplatzlandschaft mit Baumhäusern, Rutschen, Sandkästen und einem Trampolin aus. Ein reduzierterer Ansatz wäre der Bau einer Spielzeugkiste am Eingang. Ob bei der erhöhten Nutzung tatsächlich eine Lärmschutzwand zum Schutz der direkten Anwohner von Nöten wäre, gilt es zu bezweifeln. Diese Meinung stellt jedoch einen Wunsch nach einem ruhigen Platz dar.

“Bitte lasst den Zaun, sonst entsteht nur ein weiteres Hundeklo.”

Der Zugang zum Gelände hat einen starken Einfluss auf die Nutzungsfrequenz. Bei diesem Thema gehen die Meinungen stark auseinander. Der nach außen gerichtete Zaun und das eine Tor, das fast immer geschlossen ist, laden nicht besonders ein. Während manche Einwohnende diesen stark beschränkten Zugang angemessen finden, wünschen sich andere die Öffnung der Fläche mit niedrigen Gartentoren und dazu führende Zebrastreifen. Der Zugang zur Fläche könnte dann auf bestimmte Zeiten reduziert werden mit einer Art Nachtruhe bzw. Flüsterzeit.

“Das letzte Jahr hat gezeigt wie kreativ der Platz genutzt wurde. Was wollen wir mehr?”

Der Platz liegt als ruhiger Knotenpunkt eingebettet in der Kultur- und Wohnlandschaft von Linden. Die Vorstellungen der Einwohnenden zeugen von einem zukunftsweisenden Charakter.. Dabei geht es einerseits um die Gemeinschaft der Einwohnenden, die einige Ideen auf dem Platz realisieren können und zusammen positive Auswirkungen auf dessen Umgebung haben können. Wie ist mit dem starken Wunsch nach einem autofreien Wohnumfeld mit weniger Autos und Parkplätzen. Könnte der dazu gewonnene Platz zu einer “Grünschneise” zwischen dem Lindener Markt und dem Küchengarten umgenutzt werden und so Platz für Sonnenbänke und ein kühles Mikroklima entstehen? Diese Vision lässt sich nur mit dem Engagement der Anwohner realisieren und beruht auf deren Willen, aktiv mit der Stadtverwaltung Kompromisse zu finden.

In den folgenden zwei Links befinden sich zwei Visionen für den Lichtenbergkreisel, die auf den Wünschen der Einwohnenden aufgebaut sind. Viel Spaß beim Anschauen und wir freuen uns über eure Kommentare.

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